OBERTO, Conte di San Bonifacio
OBERTO, Conte di San Bonifacio ist das Operndebut des 26-jährigen Guiseppe Verdi und wurde am 17. November 1839 an der Mailänder Scala uraufgeführt. Bermani, Kritiker von „La Moda“, schrieb nach der Uraufführung treffsicher: „Oberto ist sehr schön, in manchen Passagen geradezu erhaben. Verdi lehnt sich in keiner Weise an Donizetti, Bellini oder Mercadante, geschweige denn an Rossini an. Er hat das Spiel aus eigener Kraft gewonnen: ein glänzender Erfolg steht ihm bevor.“.
Natürlich sind in diesem Frühwerk durchaus Einflüsse von Donizetti, Bellini und der italienischen Opernkonvention zu erkennen. Dennoch spricht Verdis eigene Persönlichkeit bereits aus den ersten Takten und vielen anderen Stellen des Erstlingswerkes. Ausdruck und Kraft seiner rhythmischen und melodischen Gestaltung, sowie die Vitalität des ersten Chores lassen von Anfang an erahnen, dass hier ein Musikdramatiker die Bühne betritt, der die italienische Oper noch entscheidend verändern wird.
Verdi geht es in diesem Frühwerk sicher nicht um eine revolutionäre Umgestaltung der italienischen Oper. Doch seine Musik hat bereits einen sehr persönlichen Klang, der seinen bekannten Zeitgenossen abgeht. Trotz eines schwachen Librettos gelingt es dem jungen Verdi, die Konvention aus ihrer Starre zu lösen, lebendige Gestalten zu schaffen und eine originelle Musik zu schreiben, deren Eigenarten für die weitere Entwicklung der italienischen Oper unter Verdi bedeutsam werden sollten.
Handlung:
Die Rittergeschichte des Oberto fußt auf historischem Hintergrund. Denn die eigentliche Hauptfigur der Handlung ist Ezzelino da Romano, ein Schwiegersohn Kaiser Friedrichs II., der im 13. Jahrhundert in Verona herrschte und dessen Grausamkeit berüchtigt war. Ezzelino tritt zwar in Verdis Oper selbst nicht auf, er ist jedoch Auslöser der Handlung um Oberto.
Oberto, der Graf von San Bonifacio bei Verona, war Ezzelino im Kampf unterlegen. Nun möchte Graf Riccardo von Salinguerra, ein Gefolgsmann Ezzelinos, auch noch die Tochter Leonora erniedrigen und trotz der Verlobung mit ihr Ezzelinos Schwester, Cuniza, heiraten. Oberto und seine Tochter Leonora überzeugen Cuniza, dass Salinguerra ein Schurke ist. Dennoch versuchen Leonora und Cuniza, die beiden Männer von einem Zweikampf abzuhalten. Das hier dargebotene Quartett ist ein musikalischer Höhepunkt der Oper, ohne Zweifel bereits großer Verdi. Im Zweikampf wird Oberto schließlich von Salinguerra getötet. Dieser bereut jedoch seine Tat und beschließt, freiwillig Italien zu verlassen und in die Verbannung zu gehen. Er vermacht Leonora seine Güter, die jedoch ihrerseits ins Kloster geht. Dies herrliche Rezitativ, Andante und Rondo der Leonora am Ende der Oper, kündigt bereits musikalisch wie dramatisch die beiden berühmteren Leonoren des „Troubadour“ und „Der Macht des Schicksals“ an.

